SaarGummi: „Wir sind mit den Inspektionssystemen gewachsen“

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Wer Millionen von Metern Endlosdichtungen im Jahr für die anspruchsvolle Automobilindustrie fertigt, der muss auf Qualitätskontrolle besonderen Wert legen. Der Zulieferer SaarGummi setzt schon seit 2005 auf die Expertise des Messtechnikspezialisten PIXARGUS.

In Halle 33 im SaarGummi-Werk Büschfeld werden Endlosdichtungen für die Großen in der Automobilindustrie auf 1400-Meter-Spulen gewickelt. Inspektionssysteme von PIXARGUS haben die Qualität der extrudierten Profilstränge kontinuierlich im Blick. Beim Autobauer werden die Spulen später vollautomatisch abgewickelt und je nach Fahrzeugmodell auf Länge gebracht. Ein Roboter reicht hier mit starken Armen die Autortüren an und die Dichtungen werden mannlos und passgenau aufgeklebt.  

„Die Endlosdichtung war die Idee, bei uns und beim Automobilhersteller einen höher automatisierten Prozess zu realisieren“, erzählt Christian Kast, Director Global Product Automotive und damals, 2006, der Erfinder der Endlostechnologie bei SaarGummi. Keine einfache Aufgabe bei elastischen Gummiprofilen, die sich anders als starre Produkte maschinell nicht so einfach greifen, fördern und bearbeiten lassen. Heute fertigen sie hier am Standort im nördlichen Saarland fast 50 Millionen Meter Endlosdichtungen pro Jahr. Daimler, BMW, Ford, VW und Seat sowie der Nutzfahrzeughersteller Scania gehören zu den Kunden.

Für die Qualitätskontrolle der neuen Endlosprodukte war von Anfang an PIXARGUS an Bord. „Wenn ich über diese Länge von 1400 Metern die Qualität sicherstellen muss, brauchen wir zerstörungsfreie Prüfmethoden, die idealerweise im Online-Prozess funktionieren“, erzählt der SaarGummi-Manager. Ein klarer Fall für den Würselener Messtechnikhersteller mit seinen kamerabasierten digitalen Inline-Inspektionssystemen, die sich in Produktionsanlagen und Unternehmensnetzwerke einfach integrieren lassen.

Inzwischen sind hier in vier Fertigungslinien die Zwei-in-Eins-Geräte der ProfilControl-Systemreihe von PIXARGUS integriert, die Oberfläche und Geometrie in Form des Profilquerschnittes in einer Funktionseinheit zeitgleich abprüfen können. „Die Daten haben wir gleich online“, so Kast. Auf der Unterseite der Dichtung muss außerdem die Spurlage des aufgetragenen Klebebandes stimmen. „Das muss an der richtigen Position sitzen, welche auf wenige zehntel Millimeter toleriert ist, dies ist extrem wichtig.“  

Nicht weniger anspruchsvoll ist die Oberflächenprüfung. „Die Kunden sind sehr kritisch“, weiß der Entwicklungsleiter. Dichtungen sind schließlich nicht nur wichtige funktionale Bauteile, sie sind im Fahrzeug später auch sichtbar. „Deshalb gelten entsprechend hohe Oberflächenanforderungen.“ Wie hoch genau, wird mit jedem Kunden an sogenannten Grenzmustern vereinbart. „Wir legen gemeinsam fest, ab welcher Ausprägung ist ein Pickel ein Pickel und ein Produkt fehlerhaft?“ Das vereinbarte Toleranzspektrum muss dann einerseits in die Prozesswelt von SaarGummi, aber auch in die Fehlerdetektion des Messtechnikspezialisten übersetzt werden.

Bei den Inspektionssystemen aus Würselen lassen sich dazu die Parameter für die Rauigkeit, die den Kameras Kontrast und Detailgenauigkeit vorgeben, sehr einfach und genau einstellen, erzählt Kast. Damals auch einer der Gründe der Saarländer, sich für PIXARGUS zu entscheiden. „Wir wollten keine Technik, die wir selbst programmieren müssen“, bringt es der SaarGummi-Manager auf den Punkt. „Wir wollten einfache, bedienerfreundliche Systeme.“

An drei Linien produziert der Dichtungshersteller heute im Doppelstrangverfahren die Endlosdichtung unter dem Markennamen „SealMatic“. Die Profilstränge werden hierbei spiegelbildlich Rücken an Rücken extrudiert. Die kongeniale Prüftechnik kommt aus Würselen. Damit der Doppelstrang im Sensorkopf individuell vermessen werden kann, hat PIXARGUS das ProfilControl 7-System mit einem speziellen Frequenzgenerator ausgerüstet. Er misst die Geschwindigkeit der Profilstränge und gibt den optischen Sensoren den Takt für die Bildverarbeitung vor.

Szenenwechsel. Jan Müller sitzt in Büschfeld im Büro vorm Rechner. Die Halle 22ist sein Revier. Hier werden bei SaarGummi auf Länge geschnittene Dichtungen produziert. „Das ganze Repertoire rund um die Karosserie“, erzählt der Prozesstechniker im Video-Call. Auch hier sind an vier Fertigungslinien vier ProfilControl-Systeme im Einsatz. PIXARGUS ist seit 2005 der Partner für die Messtechnik. Müller teilt gerade seinen Bildschirm und beamt uns live in die Qualitätsüberwachung von Dachrahmendichtungen mit ProfilControl 7 DualVision von PIXARGUS. Links auf dem Bildschirm erscheint jetzt die Oberflächenprüfung, rechts die Dimensionskontrolle.

Acht Kameras haben die Gummiprofile im Blick und detektieren zuverlässig Pickel, Blasen, Knoten oder Flockreste. Ist beispielsweise die C-Lippe zu kurz, meldet die Dimensionsmessung sofort den Fehler. „Ich sehe dann auf einen Blick, wo meine Fehlerursachen liegen und kann dementsprechend eingreifen“, erklärt Müller.

Gerade hat Kamera 3 bei Laufmeter 2870 einen Fehler erkannt. „Eine Verunreinigung“ erklärt Müller. Das System hat die betroffene Stelle markiert. Das Personal, das die Teile verpackt, sieht die gelbe Markierung auf der Profiloberfläche und entsorgt das entsprechende Teil. Rechts im Bild springen vor der hinterlegten Sollkontur des Profils indessen leuchtende Graphen hin und her. Sie markieren, wo gerade welcher Profilbereich, welcher Wert geprüft wird. „So können wir immer abgleichen, dass wir uns innerhalb der Toleranz befinden.“

Müller hat bereits zwei Schulungen bei PIXARGUS genossen und kümmert sich bei SaarGummi als Systemexperte um alles, was die Einstellungen und Störungsbeseitigung bis hin zum Neuanlegen von Programmen der Inspektionssysteme betrifft. Auch die Datenpflege und Analyse von Fehlerbildern gehört zu seinem Aufgabengebiet.

 „Wir sind sehr selbständig, was die Problembeseitigung angeht.“ An einer Linie ist hier noch das erste ProfilControl 4-System von 2005 im Einsatz. Das jüngste ist das aktuelle ProfilControl7-System. Wie bei den Endlosdichtungen ist letzteres ein kompaktes Zwei-in-Eins-Gerät, das Oberflächen- und Konturdaten in einem Sensor misst. „Das aktuelle PC 7 hat auch den Vorteil, dass es kompakter gebaut ist.“ In der Prozesswelt zählt schließlich jeder Fertigungsmeter. „Wir sind praktisch mit den Inspektionssystemen gewachsen“, freut sich Müller und beamt uns zurück in den Video-Call. Der 30-Jährige ist zufrieden. In Halle 22 läuft alles rund.

PIXARGUS entwickelt heute immer kompaktere Messtechnik, erzählt derweil in Würselen Michael Frohn. Assistenzsysteme, wie die automatische Belichtungsregelung und Fokussierung reduzieren den Ersteinstellungsaufwand heute bereits auf ein Minimum. „Die Systeme justieren sich weitestgehend selbst“, weiß der Vertriebsleiter. So lassen sie sich schneller in die Linie integrieren oder auch auf eine andere Linie umrüsten. Gerade in der Automobilindustrie schlägt der Fertigungstakt mit jedem Jahr schneller, weiß Frohn. "Der Druck, die Effizienz zu steigern und dabei die hohe Qualität zu halten, ist groß." Die von den Rheinländern entwickelte Software sorgt außerdem für viel Freiheit bei innovativen Fertigungsprozessen. „Der Kunde sagt, was die Kamera sehen soll und wir können das schnell konfigurieren“, so der PIXARGUS-Vertriebschef. Auf die langjährige Partnerschaft mit SaarGummi sind die Würselener stolz. „Eine vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit ist uns wichtig.“

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IMG 1: Der Automobilzulieferer SaarGummi fertigt im saarländischen Büschfeld fast 50 Millionen Meter Endlosdichtungen pro Jahr. Produziert wird in hochautomatisierten Prozessen.
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IMG 2: In den vier Fertigungslinien im SaarGummi-Werk in Büschfeld sind die Zwei-in-Eins-Geräte der Systemreihe ProfilControl von PIXARGUS integriert, die Oberfläche und Geometrie zeitgleich abprüfen können.
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IMG 3: Beim Autobauer werden die Spulen später vollautomatisch abgewickelt und je nach Fahrzeugmodell auf Länge gebracht.
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IMG 4: Die Inspektionssysteme von PIXARGUS prüfen auch die Spurlage des aufgetragenen Klebebandes (rot). „Das muss an der richtigen Position sitzen, welche auf wenige zehntel Millimeter toleriert ist“, sagt SaarGummi-Entwicklungsleiter Kast.